9. November 2020 Gedenken an die Novemberrevolution 1918


Bei dem Datum „9. November“ denken die meisten Menschen spontan an die Maueröffnung 1989, wenige auch an Reichspogromnacht 1938. Lediglich vor zwei Jahren, 2018 wurde von Teilen der Öffentlichkeit auch der 9. November 1918 zur Kenntnis genommen, als mit der Abdankung Kaiser Wilhelms die Novemberrevolution begann. Wir sind der Auffassung, dass diesem Ereignis in Deutschland nach wie vor viel zu wenig Beachtung geschenkt wird. Die Ziele von 1918 wurden bisher nur in Ansätzen verwirklicht und sind bis heute unvollendet und haben deshalb noch bis heute Auswirkungen auf die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen.

Am 8. November 2018 haben wir auf einer Kundgebung mit rund 200 Teilnehmenden vor dem Brandenburger Tor an die Novemberrevolution, ihre Erfolge, ihre Niederlagen und auch an noch immer nicht verwirklichte Forderungen und Ziele der Revolution erinnert.(ausgewählte Redeauszüge)

Dies soll keine einmalige Aktion gewesen sein. Deshalb wollen wir auch in diesem Jahr wieder zum einen an die damaligen Ereignisse erinnern und auch über ihre heutige Tagesaktualität reden. Wegen der aktuellen Pandemie stehen zur Zeit leider alle Projekte unter einer gewissen Planungsunsicherheit. Wir streben an, diese Veranstaltung auf dem Dragonerareal hinter dem Finanzamt Kreuzberg durch zu führen. Hier fand mit der Ermordung der unbewaffneten Vorwärtsparlamentäre[1] der Auftakt der blutigen Niederschlagung der revolutionären Bewegung statt. Es gibt in Berlin keinen Ort, an dem an die Novemberevolution und ihre blutige Niederschlagung gedacht wird. Wir sind der Auffassung, dass hier auf dem Dragonerareal ein geeigneter Ort ist. Mit unserer Veranstaltung wollen wir auch dieser Forderung Nachdruck verschaffen.


[1] Nach der Absetzung des linken Polizeipräsidenten Emil Eichhorns am 4. Januar 1919 kam es zu Unruhen, bei denen das Gebäude des Vorwärts, der Zeitung der SPD, in der Lindenstraße besetzt wurde.  Die Regierung beauftragte Freikorpstruppen mit der Räumung des besetzten Gebäudes, die dabei unter anderen Artillerie einsetzte. Daraufhin schickten die Besetzer eine Delegation mit 7 unbewaffneten Parlamentären zwecks Kapitulationsverhandlungen. Dies wurden von den Freikorpssoldaten in die Dragonerkaserne getrieben und hier nach schweren Misshandlungen erschossen. Es waren die ersten politischen Morde an der Wiege  Weimarer Republik und der Auftakt der gewaltsamen Niederschlagung aller revolutionären Bestrebungen